Die Verbandsvertreter diskutierten über die finanziellen Herausforderungen der kommenden Jahre und die Zukunft wichtiger Veranstaltungen, insbesondere die umstrittene Streichung der Prämienzuchtstutenschau. Trotz Sparmassnahmen steht der Erhalt zentraler Zuchtanlässe weiterhin im Fokus der Mitglieder.
Sandra Leibeicher - Zu Beginn der Zuchtkonferenz des Zuchtverbandes CH-Sportpferde (ZVCH) informierte Präsident Christoph Neuhaus die Vertreter der Vereine und Genossenschaften ausführlich über die aktuelle finanzielle Lage des Verbandes. Er betonte, dass die Finanzen durch Bundesgelder bis 2028 gesichert seien. 2029 könne man noch auf das vorhandene Vermögen zurückgreifen. Ab 2030 sei jedoch ohne Einsparungen kein Geld mehr vorhanden, was drastisch als «Lichterlöschen» beschrieben werden könne. Neuhaus kritisierte, dass der Bund über das Pferd jährlich 2,5 Millionen Franken an Mehrwertsteuer abführe, jedoch ab 2029 der Bundesbeitrag von 250000 Franken wegfallen werde. Er kündigte an, dass sich der Vorstand weiterhin aktiv auf politischer Ebene einbringen werde. Durch vierteljährliche Rapporte und einen regen Informationsaustausch im Vorstand werde aktiv an Lösungsansätzen für die Herausforderungen des ZVCH gearbeitet.
Anpassungen der Zuchtagenda
Ein zentrales Diskussionsthema waren die geplanten Änderungen der Zuchtagenda. Im Fokus stand insbesondere die Prämienzuchtstutenschau (PSS), die auf Vorschlag des Vorstandes bereits ab 2026 nicht mehr durchgeführt werden sollte. Hauptgründe für diesen Vorschlag waren die Notwendigkeit von Einsparungen sowie die geringen Zuschauerzahlen am Schautag. Der Vorstand schlug vor, den Titel «Prämienzuchtstute» künftig direkt im Rahmen des Feldtests zu vergeben. Zusätzlich könnten die zehn besten dreijährigen Stuten an der Schweizer Meisterschaft ausgezeichnet und dort auch der Titel «Miss Schweiz» verliehen werden. Die vierjährigen Stuten würden wie bisher über die Qualifikation an den SM ausgezeichnet. Dieser Vorschlag stiess bei den Genossenschaftsvertretern jedoch auf erheblichen Widerstand. Es wurden zahlreiche Wortmeldungen eingebracht, die sich für den Erhalt der Prämienzuchtstutenschau 2026 in Avenches als idealem Austragungsort aussprachen. Im Rahmen der Diskussion wurden auch die Kosten und der Arbeitsaufwand für die Durchführung der Schau thematisiert, die gemäss Anja Lüth, Leiterin der Geschäftsstelle, bei etwa 4000 Franken und 70 bis 80 Arbeitsstunden liegen. Reto Härdi, Vertreter der PZG Bremgarten, brachte zum Ausdruck, dass die Streichung der Prämienzuchtstutenschau einem «Sterben auf Raten» gleichkäme. Er betonte zwar die Notwendigkeit zu sparen, wies jedoch darauf hin, dass wenn über 95 Prozent aller qualifizierten Stuten an der Veranstaltung teilnähmen, diese auch ein Bedürfnis sei. Zuchtrelevant ausschlaggebend sei das Alter der drei- und vierjährigen Pferde, der Sport folge erst danach und sei eine andere Welt. Daher bestehe ein klarer Bedarf für die PSS. Bemängelt wurde von Seiten der Vertreter auch die Kommunikation über dieses Vorhaben. «Wird vom Verband frühzeitig informiert, kann auch von Seiten der Genossenschaften gehandelt werden, um eine Lösung zu finden», so Urs Rippstein, Präsident des PZV Baselland und Umgebung.
Anja Lüth informierte, dass die Zuchtveranstaltungen – mit Ausnahme der Feldtests – auf «Clipmyhorse» übertragen würden. «Die Auswertungen zeigen, dass die Veranstaltungen auf grosses Interesse stossen, auch im Ausland. Dies könnte mit ein Grund dafür sein, dass vor Ort weniger Zuschauer präsent sind», so Lüth. Abschliessend beauftragte der Vorstand die Vertreter, einen Antrag zum Erhalt der PSS an die Mitgliederversammlung zu stellen. Aufgrund der einhelligen Zustimmung ist also damit zu rechnen, dass die PSS auch im Jahr 2026 wie gewohnt in Avenches stattfinden wird.
Neuerungen am Feldtest
Anfang Januar fand eine Zoomsitzung der Feldtestorganisatoren statt. Resultierend informierte Simone Weiss über die Vorhaben: «Rund 150 Pferde absolvieren pro Jahr den Feldtest. Um ihn attraktiver zu machen, sind wir der Meinung, dass drei bis vier Austragungsplätze in der Schweiz ausreichen sollten. Diese ‘Gesundschrumpfung’ hat sich bereits eingestellt. Aktuell sind für 2026 Bern, Rickenbach Aarau und Avenches gemeldet. Neu können auch vierjährige Pferde den Feldtest absolvieren. So rückt das Pferdewohl noch stärker in den Mittelpunkt. Geplant ist auch ein jährlicher Austausch unter den Veranstaltern.»
Neuer Austragungsort der SM Dressur in Winterthur
Eva Lachat, Verantwortliche für Dressur und die SM der CH-Sportpferde, informierte, dass die Dressur-SM der Jungpferde in diesem Jahr erstmals vom 14. bis 16. August in Winterthur stattfinden wird. Die Prüfungen werden in das Dressurfestival integriert. In Avenches hätten die Bedingungen auf dem Viereck seit Jahren nicht überzeugt, unter anderem wegen zahlreicher paralleler Aktivitäten wie Holzrücken oder Gymkhana. Dies habe dazu geführt, dass die Marke «Schweizer Sportpferd» unter Wert präsentiert werden musste. Die Nennungen bei den Prüfungen gingen stark zurück, «daher haben wir beschlossen, den Final auszulagern. Mit Winterthur haben wir einen attraktiven Austragungsort gefunden, an dem weitere Dressurprüfungen bis GP stattfinden. Dies sehen wir als ideale Plattform und würdigen Rahmen für die Präsentation der CH-Pferde.» Obwohl der Wechsel bedauert wurde, habe man sich nach Abwägung aller Alternativen dazu entschlossen, den neuen Weg zu gehen. Die Zusage des OK für die Austragung in Winterthur liegt mindestens für die Jahre 2026 und 2027 vor. Detaillierte Informationen zu Qualifikation und Prüfungsmodus werden noch bekanntgegeben.
Interessante Studienresultate liegen vor
Abschliessend berichtete Lachat über eine 38-seitige Studie zum Zuchtverhalten, die sie gemeinsam mit Barbara Knutti lanciert und finanziert hat. «Die Resultate liegen seit einer Woche vor. Das Ziel der Studie ist es, dem Zuchtverband eine fundierte Basis zu liefern, um mehr über das Verhalten und die Bedürfnisse der Züchter zu erfahren», so Lachat. Über das System ‘Agate’ wurden mehr als 1000 Fragebogen verschickt, wovon etwa 25 Prozent beantwortet wurden und eine repräsentative Übersicht entstand. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse wird in einem eigenen Artikel folgen.
Fotos : Sandra Leibacher
Am Samstag, 24.01.2026, fand auch die Verkaufsschau und die Hengstvorführung im NPZ Bern statt.
