Die Mitgliederversammlung war trotz Verlegung des Austragungsortes nach Avenches gut besucht. Alle Anträge des Vorstandes wurden von der Versammlung angenommen und sind wegweisend für die Zukunft, welche aufgrund der finanziellen Aussichten ab 2029 ungewiss ist.
Sandra Leibacher
Die Mitgliederversammlung des ZVCH fand dieses Jahr erstmals im «Atrium» auf dem Areal des IENA in Avenches statt. Christoph Neuhaus begrüsste die rund 80 anwesenden Mitglieder und Vereins- und Genossenschaftsvertretern mit 149 Stimmen an seiner ersten Versammlung als ZVCH-Präsident: «Das vergangene Jahr bezeichne ich als Lehr- und Wanderjahr», so Neuhaus. Mit unzähligen Besuchen von Zuchtveranstaltungen in der ganzen Schweiz verschaffte er sich einen Überblick zur aktuellen Lage.
Ungewisse Zukunft für den Verband
In seinem Jahresbericht informiert Neuhaus über die aktuelle, vor allem aus finanzieller Sicht, herausfordernde Lage des Verbandes. «Nachdem ich meinen Amtskollegen, den Bundesrat Guy Parmelin besuchte und mit ihm Gespräche führte, konnten wir die Bundesgelder für die Warmblutpferdezucht bis Oktober 2028 sichern. Danach soll es vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) keine Gelder mehr für unsere Pferde geben. Im Agrarpaket 2030 ist das BLW der Meinung, dass Pferde nicht mehr in die Landwirtschaft gehören. Die Warmblutpferdezucht besteht in der Schweiz seit rund 1000 Jahren, die Freibergerzucht seit dem 19. Jahrhundert, daher finde ich es eine Frechheit, dass Wasserbüffel, Alpacas und Lamas Beiträge erhalten, die Pferde aber nicht. In der Schweiz gibt es rund 40000 Warmblutpferde und 18000 Freibergerpferde, dennoch will das BLW das Pferd nicht mehr in der Landwirtschaft haben. Der Bund konkurrenziert die einheimische Pferdezucht übermässig durch Importe. Kassiert dort mit 2,6 Prozent Mehrwertsteuer, das Zehnfache des Betrages, mit dem er uns unterstützt und den will man uns auch noch streichen. Ich möchte den Bund auf den ‘Weg der Tugend’ zurückführen, daher müssen wir für unsere Pferde kämpfen», so Neuhaus kämpferisch.
Alle Anträge angenommen
Von Seiten des Vorstandes wurden der Versammlung fünf Anträge zur Abstimmung vorgelegt. So die Einführung der DNA-Abstammungsüberprüfung aller Fohlen und die Erhöhung der Kosten für den Züchter. Nach dem Motto «damit auch drin ist, was draufsteht», müssen neu auch bei allen Hengstfohlen die Abstammung per DNA-Analyse überprüft werden. Für den Züchter fällt neu ein Zuschlag von 20 Franken pro Fohlen an, die andere Hälfte übernimmt der Verband. Nötig wurde diese Anpassung auch, da der Verband Mitglied von «World Breeding Federation for Sport Horses (WBFSH)» ist.
Demzufolge wurde auch der Wechsel des Abstammungsüberprüfungsverfahrens zum SNP-Verfahren (SNP = Single Nucleotide Polymorphism) entschieden, wie auch der Beitrag gesprochen, um sich in den bestehenden Datenpool der grossen deutschen Zuchtverbände einzukaufen. Künftig kann der Verband auch Mehraufwände bei Registrationskosten für im Ausland geborene Fohlen von Schweizer Züchtern verrechnen. Zugestimmt wurde letztlich dem Antrag die Präambel des «WBFSH» und die Anerkennung der ethischen Grundsätze von «Swiss Equestrian» in die bestehenden Statuten des ZVCH einzufügen.
CH-Meisterschaften auf neuen Wegen
Der Final der CH-Meisterschaften Jungpferde Springen wird im September noch einmal in gewohntem Rahmen im «IENA» durchgeführt, jedoch ohne Superpromotions-, und nur noch mit dem «Youngster»-Final. Für 2027 braucht es neue Ideen für die Art und den Ort der Austragung. Der Vorstand ist gefordert, eine Lösung zu finden. Nötig sind zudem finanzielle Mittel und «Manpower». Auch die Schweizermeisterschaft Jungpferde Dressur geht neue Wege. «Die Dressurmeisterschaft wurde in Avenches etwas ‘stiefmüttlicher’ behandelt, daher haben wir uns entschieden, die Meisterschaft auszulagern und haben mit den Dressurtagen Winterthur einen tollen Partner gefunden. Unsere Prüfungen werden in den kommenden drei Jahren in diesem Turnier integriert sein und jeweils Mitte August zur Austragung kommen», so Eva Lachat, Verantwortliche der Dressur-SM. «Die Durchführung der M und S Superpromotionsprüfungen sind in diesem Jahr nicht möglich, daher werden sie anhand der Gewinnpunkte rangiert und voraussichtlich während des Sponsorenapéros am Sonntagmittag in Winterthur ausgezeichnet. Wir erhoffen uns mit der Verlagerung des Dressurfinals eine Verbesserung der Bedingungen.» (Detaillierte Informationen folgen in der Ausgabe 18/26 vom 6.Mai 2026). Die Selektion für die WM Dressur Junge Pferde wird bereits zum dritten Mal am 23. Juni 2026 anlässlich der Dressurtage Grüningen stattfinden, integriert ins bestehende Turnier.
Diskussionspunkt PSS
Aufgrund der Diskussionen anlässlich der Zuchtkonferenz im Januar wurde deutlich, dass die Genossenschaften an der Prämienzuchtstutenschau (PSS) festhalten möchten. «Daher wird sie 2026 noch einmal durch den Verband in Avenches organisiert. Der Vorstand hat jedoch entschieden, die PSS 2027 an einen Verein oder Organisator extern zu vergeben, sie kann auch in eine bestehende Veranstaltung integriert werden. Bewerbungen können bis 30. Juni an die Geschäftsstelle eingehen, bis 30. August entscheidet der Vorstand über die Vergabe», so Neuhaus. Ein weiterer Diskussionspunkt war die Zulassung vierjähriger Pferde zum Feldtest. Diese Neuerung wurde von allen Seiten sehr begrüsst, jedoch bemängelten einige Stimmen aus der Versammlung, dass vierjährige Stuten nach erfolgreichem Feldtest nicht automatisch für die Prämienzuchtstutenschau qualifiziert sind. «Dann sind zwei verschiedene Qualifikationsmodies. Die einen schaffen es über die sportlichen Leistungen, andere ‘nur’ über den Feldtest», so Zuchtleiterin Weiss. Leiterin der Herdebuchstelle, Anja Lüth ergänzte: «Wir möchten die Stuten für die Zucht möglichst früh selektionieren und früh in der Zucht einsetzen, daher sind die Qualifikationsbedingungen im Herdebuch so festgelegt. Absolvieren sie den Feldtest erst vierjährig und würden automatisch qualifiziert, wären die Bedingungen nicht für alle gleich. Gemäss Reglement müssen sich vierjährige Stuten über sportliche Leistungen qualifizieren. Möchte man das ändern, müssen wir uns an den Grundgedanken der Prämienzuchtstutenschau anschauen. In diesem Fall sollten wir auch den Zeitpunkt der Prämienausschüttung überdenken.» Es folgten diverse Voten aus dem Plenum, letztlich stellte Kerstin Rhyner der Pferdezuchtgenossenschaft Einsiedeln den Antrag, die Qualifikation zur Prämienzuchtstutenschau der vierjährigen Stuten am Feldtest zu ermöglichen. Die Versammlung stimmte über den Eintritt ab, der Antrag fand jedoch keine Mehrheit und kam nicht zur Abstimmung.
Verschiedene Ehrungen
Bei der Ehrung der erfolgreichsten Züchter 2025 ging der erste Rang an die Familie Claire und Philippe Rizzoli mit «Élevage du Roset», gefolgt von Walter und Heidi Kunz mit ihren «KWG»-Pferden. Auf dem dritten Rang klassierten sich Stéphanie und Urs Huber mit der Zucht «de Oxalis».
Verabschiedet wurden Hermann Maeder nach 29 Jahren als Experte Grundgangarten und Freispringen, Christine Dolder nach 28 Jahren als Expertin Feldtest Grundgangarten und Monika Zeller nach 23 Jahren als Schausekretärin. Anja Lüth feierte bereits ihr 30-jähriges Jubiläum als Herdebuchleiterin des ZVCH.